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Ereignisse
im Laufe der Zeit
Bethausen, unser Heimatort und von
den meisten auch die Geburtsstätte, befindet sich am äußersten
Rand des banater Siedlungsgebietes, ca.23 km nordöstlich von
der Stadt Lugosch. Die Gemeinde ist nur von rumänischen Dörfern
umringt, im Norden Cladova, im Osten Leucusesti, im Süden Cliciova
und im Westen Cutina. Die Bahnverbindung ist durch den 2 km entfernten
Bahnhof Cliciova zu erreichen. Entlang der Südseite des Ortes
fliest der Fluss Bega. Die regelmäßige Rechteckform,
die Grundform des Ortes aus der Gründerzeit, ist erhalten geblieben,
obwohl sich seit der Ansiedlung so manches verändert hat.
Mitte der zwanziger Jahre bestand die Gemeinde Bethausen aus drei
parallelen breiten Gassen mit einem schönen Platz im Zentrum,
wo auch die Kirche stand. Gegenüber der Kirche stand das Gemeindehaus.
Die Zahl der Häuser war 179, welche von 200 Familien mit insgesamt
1035 Personen bewohnt wurden. Die Bevölkerung beschäftigte
sich mit dem Ackerbau und der Viehzucht. Außerdem waren Handwerker
in durchschnittlich hoher Zahl vertreten. Es waren 4 Schmiede, 4
Wagner, 1 Gerber, 4 Tischler, 2 Schneider, 5 Schuhmacher, 1 Fleischhauer,
2 Bürstner, 1 Fassbinder, 2 Spengler, 2 Holz/Ziegelhandlungen,
2 Milchhallen, 3 Rasierer und 5 Geschäftshäuser, die alle
durch Fleiß und Tat zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde
beitrugen. Im Jahre 1924 erreichte der Gemeindenotar Adolf Dobrov
die Bewilligung zur Abhaltung eines drei mal jährlichen Jahrmarktes,
der sich danach glänzend bewährt hat. Es entstand auch
eine Konsumgenossenschaft, die ebenfalls den Aufschwung unterstützte.
Die Siedler hatten ihre Religion als Erbe aus der Urheimat mitgebracht
und gleich nach der Ortgründung mit dem kirchlichen Leben begonnen.
Bis nach 1900 waren alle Bewohner römisch- katholisch. Die
erste Kirche in Bethausen befand sich gegenüber vom alten Gemeindehaus
und wurde Ende 1885 fertiggestellt. Der Besuch des Gottesdienstes
an Sonn- und Feiertagen war eine Regel, an die sich alle zu halten
hatten. Früher suchte man stärker als heute die Verbindung
zu Gott. Es wurde streng darauf geachtet, dass alle die heiligen
Sakramente, von der Taufe bis zur Ölung, empfangen hatten.
In den Jahren danach, infolge der Zuwanderung von Familien anderer
Nationalitäten, gab es eine kleine Anzahl von anders Gläubigen,
wie z.B. Orthodoxen oder Protestanten.
Nachdem die wirtschaftliche Entwicklung den Dorfbewohnern eine bessere
materielle Lage verschafft hatte, war es im Jahre 1937 möglich
eine größere und schönere Kirche zu bauen. Der Bau
ist in Größe und Form den vielen katholischen Kirchen
der banater Dörfer ähnlich, und hat einen 32 m hohen Kirchturm.
Die Gestaltung der Innenarchitektur war aber das, was den Bethausener
ewig in tiefer Erinnerung eingeprägt geblieben ist. Der Hauptaltar
zeigte ein wunderschönes Bild des heiligen Wendelin, dem Schutzpatron
der Kirche. Auf der linken Seite war der Seitenaltar mit dem heiligen
Antonius, und rechts die Kanzel. Die mit herrlichen Farben bemalte
kuppelförmige Decke über dem Hauptaltar stellte die Engel
des Herrn dar. Im Kirchturm befanden sich drei Glocken
Die Pfarrer spielten eine überragende Rolle bei der Bildung
der geistlichen Gesinnung der Dorfbewohner, sowie auch als Hüter
von Bräuchen und Sitten. Von Anfang an war die Kirche mit allen
Tätigkeiten der Dorfbewohner fest verknüpft, sie begleitete
die Menschen ihr ganzes Leben lang.
In der Gemeinde wurden alle Bräuche der schwäbischen Einwanderer
gepflegt und vor allem wurde zu jeder Zeit an der Muttersprache
festgehalten. Im Jahre 1925 wurde Bethausen im Kreise des "Deutsch-Schwäbischen
Kulturverbandes" und der "Deutschen Volksgemeinschaft"
einbezogen, mit der Absicht in diesem Völkermeer als Glied
des deutschen Volkes in der Zukunft zu überleben.
Die Zeit zwischen den zwei großen Kriegen könnte man
als den Glanz des Deutschtums in Bethausen bezeichnen. Alles, das
bis dahin gegründet und errichtet wurde, hat dazu beigetragen,
das hier das wirtschaftliche und geistliche Leben der Deutschen
seinen Höhepunkt erreicht hat. Der Anfang des zweiten Weltkrieges
war auch, in weitem Sinne, der Anfang vom Ende der deutschen Gemeinde
Bethausen. Das hat sich in vielen Jahren hingezogen, aber diese
Tendenz war eingetreten und konnte nicht mehr gestoppt werden. Ab
diesem Zeitpunkt kam es dazu, das deutsche Bewohner begonnen haben
Bethausen für immer zu verlassen.
Es war in diesem Fall nicht gewollt, sondern der Krieg war es, der
dies auslöste. Später hat man erkennen können, das
dies der Weg war, der zurück in den Westen geführt hat.
Man kann heute sagen, das diese Kolonisation, die von unseren Ahnen
mit großer Last und Hoffnung begonnen hat, zu keinem Zeitpunkt
zum Wohlstand führte. Es waren Zeiten, die mit Kummer und schwerer
Arbeit den Weg der Generationen begleitet haben. Was die Bearbeitung
des Bodens betrifft, hat sich sicher eine fortschrittliche Tätigkeit
entwickelt. Es entstanden auch einige Bauernhöfe der größeren
Dimensionen, aber auch die anderen Bewohner waren mit ihrem Gut
und Haben gut ausgestattet. Es waren Zeiten, wo neben Fleiß
und Mut auch Zufriedenheit und ein gutes Zusammenleben im Alltag
präsent waren, mit anderen Worten: den Menschen ging es gut.
Dieser Zustand war aber von kurzer Dauer, da sich in den Jahren
1939/1940 schon wieder ein Unheil ankündigte.
Der zweite Weltkrieg. Am 1 September
1939 begannen die deutschen Truppen durch den Einmarsch in Polen
den Krieg. Die Ereignisse überschlugen sich, und aus dem europäischen
Krieg wurde ein Weltkrieg. Durch den Angriff auf die Sowjetunion
am 22 Juni 1941, an dem sich von Anfang an Rumänien beteiligt
hat, hatte auch für unsere Gemeinde der Krieg begonnen. Ein
Teil der wehrfähigen Männer wurde in die rumänische
Armee einberufen und an die Ostfront geschickt. Sie kamen zum Einsatz
an den südlichen Abschnitt der Front, an der Schlacht um Stalingrad,
am Kuban-Brückenkopf und im Kessel auf der Krim. Es waren schwere
Kämpfe unter harten Bedingungen, bei denen einige ihr Leben
geopfert haben.
Am 12 Mai 1943 wurde in Bukarest ein Abkommen zwischen dem Gesandten
des Deutschen Reiches, Manfred Freiherr von Killinger, und dem Chef
des rumänischen Generalstabes, General I. Steflea, unterzeichnet,
wonach sich rumänische Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit
freiwillig in die Waffen der SS oder in die deutsche Wehrmacht einreihen
lassen können, ohne die rumänische Staatsbürgerschaft
und die damit verbundenen Rechte zu verlieren. So kamen noch 53
Männer aus Bethausen zum Einsatz. Es meldeten sich fast alle
jungen Männer, von denen die meisten gefallen sind. Obwohl
dies auf freiwilliger Basis geschehen sollte, wurde den wenigen
die sich weigerten, auch gedroht. Andere wechselten aus der rumänischen
Armee zu den Deutschen. Es war nicht nur das nationale Bewusstsein,
das sie zu diesem Entschluss führte, sondern auch die Tatsache,
das in der rumänischen Armee die Ausrüstung und die Verpflegung
nicht so gut waren. Nach einer Musterung nach Wehrmachtskriterien
erfolgte die Zuteilung zu den verschiedenen Waffengattungen. Danach
eine kurze Vorbereitung und der Einsatz. Die meisten kamen an die
Westfront.
Das Leben in der Gemeinde war auch diesmal mit vielen Opfern verbunden.
Die Arbeit in den Bauernwirtschaften musste wieder ohne die Männer
verrichtet werden. Es folgten auch diesmal Zwangsablieferungen und
Requirierungen.
Der Austritt Rumäniens vom 23 August 1944 hat den Verlauf des
Krieges unerwartet beeinflusst. Der plötzliche Bruch des Bündnisses
verschaffte eine neue Lage. Die rumänischen Truppen kehrten
die Waffen gegen ihre ehemaligen Verbündeten. Diese Wende dürfte
den Krieg um einige Monate verkürzt haben, hatte jedoch auf
die deutsche Bevölkerung Auswirkungen von existentieller Bedeutung.
Sie leitete den Auflösungsprozess der Volksgemeinschaft ein.
Auch in Bethausen herrschte Unsicherheit und Bestürzung, doch
nur die wenigsten konnten erahnen was alles noch bevorstehen würde.
Viele Banater ergriffen vor dem massiven Heranrücken der sowjetischen
Verbände die Flucht. Andere versteckten sich monatelang oder
wurden verhaftet. Es kam auch in Bethausen zu Plünderungen,
Konfiszierungen und Gewalttaten, die von den Russen ausgeübt
wurden (Raubüberfall bei Rewitzki).
Am 9 Mai 1945 trat der Waffenstillstand in Kraft. Am Ende des Krieges
waren die meisten in Gefangenschaft in den Lagern der Alliierten
oder in Russland. Es fanden auch im Banat Verfolgungen und Verhaftungen
gegen ehemalige Angehörige der deutschen Armee statt. Da dies
auch später immer noch so war, gab es für die Entlassenen
aus den Alliierten-Lagern keine Heimkehr. Die Folge war eine jahrzehntelange
Trennung von der Familie. Viele haben sich erst nach 20 oder mehreren
Jahren nach dem Krieg wieder gesehen, als Besuche in Rumänien
wieder erlaubt wurden. So haben Kinder ihre Eltern nicht gesehen
und einige Ehen sind nach der langen Trennung gescheitert. Es sind
auch einige an den Folgen des Krieges gestorben, ohne die Heimat
noch einmal gesehen zu haben. Die Gefangenen, die in der Sowjetunion
interniert waren, sind im Jahre 1948 entlassen worden und heimgekehrt.
Aufgrund des Waffenstillstandsabkommens mit der Sowjetunion vom
September 1944 war Rumänien zu Wiederaufbauarbeiten in der
Sowjetunion verpflichtet worden. Diese Verpflichtung wurde von der
damaligen rumänischen Regierung nur auf die arbeitsfähigen
Jahrgänge der Bürger deutscher Nationalität beschränkt.
Die Russlanddeportation, ein Akt nationaler Diskriminierung
der durch nichts zu rechtfertigen ist. Wie auch in allen anderen
Orten begann es auch in Bethausen so, das am 16.01.1945 das Dorf
von den Militärs umstellt wurde. In der nachfolgenden zwei
Nächte hat man die Betroffenen, 83 Männer und Frauen,
aus ihren Häusern geholt. Sie durften sich ein Notgepäck
mitnehmen und wurden in der Schule festgehalten. Bei der Abfahrt
aus Bethausen kam es zu Szenen voller Leid und Schmerz. Mit Pferdewagen
ging es bis Lugosch, wo auch in einer Schule die Sammelstelle war.
Nach weiteren zwei Nächten folgte dann die Verladung in Viehwaggons
auf dem Gelände neben der damaligen Ziegelfabrik. Nach stundenlangem
Warten ging es in der klirrenden Kälte los. Die nächsten
Tage waren voller Ängste und Verzweiflung, keiner wusste wohin,
keiner wusste wie lange. Nach einer Fahrt von 21 Tagen trafen alle
Gefangenen körperlich geschwächt und geistig unsicher
an ihren Bestimmungsorten in Dombass (Donezbecken), der berüchtigten
Kohlenregion nördlich von Rostov, ein. Die Bethausener waren
in den Lagern von Belakalitwa und Tschistakowa untergebracht.
Es folgten einige Jahre der Qual und Erniedrigung. Sie wurden gezwungen
in Kohlengruben, auf Baustellen und Kolchosen wie Sklaven zu schuften.
Das alles bei Kälte und hohem Schnee, mit wenig Essen und schlechter
Kleidung. Für die Kranken gab es keine Medikamente. Unter diesen
Bedingungen sind auch aus Bethausen einige gestorben. Einige wurden
gegen ihren Willen nach Deutschland in die damalige Ostzone zur
Arbeit gebracht. Andere flüchteten dann, nach ihrer Entlassung,
in den Westen, aber die meisten kehrten wieder heim. Dieses Leid
der Verschleppung war im Herbst 1949 zu Ende, als Moskau den Entschluss
fasste, diese Menschen in ihre Heimat zu entlassen.
In Rumänien kam, unter dem Einfluss der Russen,
eine so genannte "demokratische Regierung" an die Macht.
Am 30. Dezember 1947 wurde der König aus dem Lande verbannt
und die Republik erklärt. Es folgte dann eine jahrzehntelange
Einparteiendiktatur, die sich am Anfang Arbeiterpartei, danach Sozialistische-
und zuletzt Kommunistische Partei nannte.
Nach diesen Ereignissen hat sich das Leben am Lande auch im wesentlichen
erschwert. Im Frühjahr 1945 wurde eine Agrarreform durchgeführt.
Durch die Enteignungen begann der Niedergang der Bauerngemeinschaft.
Am Anfang wurden nur die enteignet, die einen größeren
Besitz an Vermögen hatten. Die Mehrheit konnte ihr Gut behalten,
wurde aber zu großen Zwangsquotenabgaben gezwungen. Dabei
mussten sie sich bitter plagen, um über die Runden zu kommen.
Sie hatten aber wenigstens noch die Vorstellung Eigentum zu besitzen,
was sich allerdings auch bald geändert hat.
Im Zuge der schrittweisen Sozialisierung der Landwirtschaft kam
es zu Beginn der fünfziger Jahre zur Bildung einer landwirtschaftlichen
Arbeitsgemeinschaft. Da der Beitritt zu dieser Gemeinschaft freiwillig
war, blieb der gewünschte Erfolg aus. Als Nächstes erfolgte
dann die gesamte Enteignung und die zwangsläufig durchgeführte
Kollektivisierung. Den Dorfbewohnern wurde der Grund und Boden,
sowie auch Pferde und landwirtschaftliche Maschinen weggenommen.
Man konnte sich gegen den landesweiten Druck und die örtlichen
Maßnahmen der Partei und Staatsorgane nicht wehren und fügte
sich. Es führte zur allgemeinen Kollektivisierung der Gemeinde
und so gründete sich im Jahre 1952 die Kollektivwirtschaft,
später Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (L.P.G.).
Da es kaum einen anderen Ausweg gab, wurden mit der Zeit nahezu
alle Bauern Mitglieder dieser Genossenschaft.
Die Tatsache, plötzlich ohne Besitz zu sein, nahm den Menschen
ihren letzten Halt. Es beschleunigte ihre Entwurzelung. Jedoch,
auch unter solchen Umständen, wurde mit Fleiß gearbeitet
und man erzielte am Anfang auch Erfolge.
Auch im Zuge der Sozialisierungsmaßnahmen der Landwirtschaft
gründete sich im Jahre 1951 in Bethausen die Maschinen und
Traktorenstation (S.M.T.), ein staatliches Unternehmen, das für
die Gemeinde eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Dieses Unternehmen
hatte den Auftrag, auf den Feldern der L.P.G. alle notwendigen mechanisierten
Arbeiten auszuführen. Der Hauptsitz war in Bethausen, und in
23 anderen Ortschaften waren die so genannten Brigaden, die auf
den Feldern der dortigen L.P.G. tätig waren. Der Bestand an
landwirtschaftlichen Maschinen war ziemlich groß, u.a. etwa
300 Traktoren. Die Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten wurden
in Bethausen durchgeführt. Das Unternehmen hatte in guten Zeiten
über 300 Beschäftigte.
Ein anderes, ähnliches Unternehmen war die G.A.S., die aber
Arbeiten auf eigenen Feldern ausführte und nicht so groß
war.
Durch diese Betriebe wurden viele Arbeitsplätze geschaffen,
die den Beschäftigten einen regelmäßigen und nicht
schlechten Monatslohn sicherten. Dieses Glück hatten nicht
viele der deutschen Ortschaften. Es wurde auch eine Berufsschule
eröffnet, die für die Ausbildung der Mechaniker sorgte,
und somit den jungen Männern einen Beruf für die Zukunft
gab. Damit das alles auch richtig lief, wurden Fachkräfte,
die mit der neuen Technik vertraut waren, geholt. So stieg auch
die Bevölkerungszahl. Im Jahre 1954 wurde die Gemeinde elektrifiziert,
das war viel früher als die meisten Nachbarortschaften.
In den sechziger Jahren wurde in der Schule in rumänischer,
deutscher und ungarischer Sprache unterrichtet. Auch zu dieser Zeit
wurde der Unterricht gewissenhaft durchgeführt. Besonders für
die junge Generation war die Möglichkeit gegeben, sich für
die Zukunft zu bilden. Neben der guten Schule gab es eine Gemeindebibliothek
mit zahlreichen Büchern, ein Kino und einen Fernsehsaal. Zum
Vergnügen wurden Tanzabende organisiert und an den Feiertagen
fand im Kulturhaus der "Ball" statt. Neben dem Kulturhaus
in der Mitte des Ortes gab es das Wirtshaus und im Sommer den Biergarten,
wo besonders am Wochenende ziemlich viel los war. Die Menschen,
durch ihr Benehmen, ihre Kleidung und die Sprache, die gesprochen
wurde, stellten ein Bild dar, das dem Leben am Lande voraus war.
Man kann mit Stolz behaupten, das in dieser Zeit Bethausen, gegenüber
vielen anderen Gemeinden, in wirtschaftlicher und auch in kultureller
Hinsicht, einen Aufschwung erlebt hat.
Aber auch diesmal war es so, das alles Gute dem Ende entgegen ging.
Anfang der siebziger Jahre hat man landesweit einen Versuch gestartet,
alle Nationalitäten zu einer einzigen sozialistischen Nation
zu assimilieren. Es gab hin und wieder Einschränkungen, die
aber nicht immer nur nationaler, sondern auch staatspolitischer
Natur waren. Es kam zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen
Lage. Auch die landwirtschaftlichen Betriebe in Bethausen wurden
immer mehr davon betroffen. Die Arbeit in der L.P.G., ohnehin schon
schwer genug, wurde auch schlecht bezahlt. Es führte dazu,
das die Jugend in die Stadt zog, wo es doch noch die Möglichkeit
gab, besser zu verdienen.
In den achtziger Jahren war der Staat schon so verschuldet, das,
um diese Schulden zu begleichen, sehr strenge Sparmaßnahmen
eingeführt wurden. Diese Maßnahmen führten zu einem
Mangel von Waren in jedem Bereich, bis hin zu den notwendigen Nahrungsmitteln.
Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wurde immer größer
und man fing an nach einem Ausweg zu suchen.
Die Auswanderung. In dieser Zeit
prägte sich eine Generation, die, zum großem Glück,
Leid und Not nicht ausgesetzt wurde, die aber mit den Zuständen
der Wirtschaft nicht einverstanden war und sich um ihre Zukunft
sorgte. Eine Generation die den Willen der nationalen Integrität
nicht aufgegeben hat, und die in dieser Geschichte der Kolonisation
die Aufgabe übernommen hat, diesen Volksstamm in die Heimat
seiner Ahnen zurückzubringen. In den Jahren 1963 - 1965 kamen
die ersten Besucher aus Deutschland in ihre einstige Heimat und
berichteten von ihrem neuen Leben. Dabei erfuhren die Verwandten
vieles über die Freiheit und dem stets wachsenden Wohlstand,
dessen sich die Menschen dort erfreuten. Der Gedanke, auch in der
Freiheit als Deutscher unter Deutschen zu leben, nahm Gestalt an.
Später wurde der Drang zur Ausreise sehr groß, vor allem
nachdem immer mehr Familienmitglieder in Deutschland waren. So mancher
hat es als seine Lebensaufgabe übernommen und sich mit allem
Mut jahrelang nur für diesen Zweck eingesetzt.
Im Dezember 1990, nach der Revolution und dem Machtwechsel in Rumänien,
demonstrierte die neue Regierung demokratische Verhältnisse
und öffnete die Grenzen. Das Ausreisen wurde eine Massenaktion.
Bis auf sehr wenige haben alle Deutschen den Banat verlassen und
sich irgendwo in der Bundesrepublik ein neues Zuhause gefunden.
Es war keine Flucht in ein fremdes Land, es war eine Heimkehr in
die Urheimat. Auch die Bethausener wurden von dieser letzten Welle
erfasst und verließen für immer ihre Bleibe. Es endete
so, wie es vor so vielen Jahren begann. Sie zerstreuten sich im
ganzen Bundesgebiet. Die Ankommenden zogen nach und nach zu den
Verwandten und Bekannten. So kam es dazu, das sich einige Gruppen
bildeten. Die meisten leben heute in Spaichingen, München,
Aachen, Neuburg, Heilbronn, Ludwigshafen, Singen.
In Bethausen leben heute noch wenige Deutsche, die sich, aus persönlichen
Gründen, zum Bleiben entschlossen haben.
Obwohl der Name der Ortschaft noch unverändert ist, hat die
deutsche Gemeinschaft aufgehört zu existieren. Es sind noch
die Gräber der Toten dort, als Symbol der Verbindung zwischen
der früheren und der jetzigen Heimat. Aber auch dieser Verbindung
wird die Zeit ein Ende setzen. Doch in den Herzen von uns allen
wird sich die Erinnerung ewig bewahren, es war ein Stück von
unserem Leben, es war auch ein schönes Stück.
So geht die über ein hundert-jährige Geschichte der Deutschen
in Bethausen zu Ende. Sie haben diese Ortschaft geschaffen, entscheidend
geprägt und den Einheimischen ein nachahmenswertes Beispiel
von Ordnung, Tatkraft und Schaffensfreude gegeben.
Franz Ludwig |
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